Material und Herstellung
Fleece entsteht aus Polyester-Garn durch Stricken oder Weben — und durch das anschließende mechanische Aufrauen. Die Eigenschaften variieren stark nach Grammatur, Konstruktion und Veredelung.
Polyester als Ausgangsmaterial
Praktisch alle Fleece-Stoffe bestehen aus PET (Polyethylenterephthalat), dem häufigsten Polyester. PET ist eine Synthetikfaser aus erdölbasierten Bausteinen (Terephthalsäure und Monoethylenglykol). Sie ist mechanisch sehr robust, nimmt nur etwa 0,4 % des eigenen Gewichts an Wasser auf und ist gut anfärbbar.
Eine wachsende Zahl von Herstellern verwendet rPET — Polyester aus rezyklierten PET-Flaschen. Patagonia hat 1993 als erster größerer Outdoor-Hersteller einen Fleece aus PET-Flaschen vorgestellt (Synchilla). Heute liegen die rPET-Anteile bei Markenpullis oft bei 50 bis 100 %.
Aufrauen — das Herzstück der Herstellung
Aus dem Polyester-Garn wird zunächst ein normales Strick- oder Webgewebe gefertigt. Anschließend durchläuft der Stoff eine Raumaschine mit feinen Drahtbürsten, die einzelne Faserenden aus dem Gewebe ziehen. Das Ergebnis ist die typische, weiche, flauschige Oberfläche — oft beidseitig (Two-Sided Fleece) oder nur außen.
Die feinen Faserenden bilden Tausende von Mikro-Luftkammern, die warme Körperluft halten. Genau diese Konstruktion ist es, die Fleece bei geringem Gewicht so warmhält.
Grammaturen — das wichtigste Unterscheidungsmerkmal
Fleece wird in Gramm pro Quadratmeter (g/m²) klassifiziert. Die Bezeichnungen folgen oft dem Polartec-Standard, sind aber auch bei anderen Stoffherstellern gebräuchlich:
| Klasse | Grammatur | Einsatz |
|---|---|---|
| 100 (Microfleece) | ca. 100 g/m² | Sport, Base-Layer, Sommer-Trekking |
| 200 (Mid-Fleece) | ca. 200 g/m² | Standard-Pulli, Mid-Layer |
| 300 (Heavyweight) | ca. 300 g/m² | Winter-Layer, Stationary Outdoor |
Für dynamische Aktivitäten wie Wandern oder Skitouren ist 100 oder 200 die Regel — größere Grammaturen führen beim Schwitzen zur Hitzestau. Für Stand-Aktivitäten (Fotografie, Hochsitz, Après-Ski) ist 300 ideal.
Microfleece
Microfleece ist eine besonders feine Variante mit hochfeinem Garn (1 Decitex oder weniger). Es ist leichter, weicher und schneller trocknend als Standard-Fleece. Typische Einsatzbereiche: als Base-Layer direkt auf der Haut, als Inlay in Skihandschuhen oder als Sommer-Mid-Layer. Microfleece neigt allerdings weniger zum klassischen flauschigen Eindruck.
Coral-Fleece
Coral-Fleece ist eine besonders flauschige Variante mit langen Faserschlingen, die an Korallenknötchen erinnern (daher der Name). Es ist sehr weich und leicht, aber mechanisch weniger robust und neigt zum Pilling. Coral-Fleece wird vor allem für Heimbekleidung (Bademantel, Decke) und für Kinderbekleidung verwendet, weniger für anspruchsvolle Outdoor-Aktivitäten.
Sherpa-Fleece
Sherpa-Fleece oder Faux Shearling imitiert die Optik eines Lammfells: langer, gekräuselter Flor auf einer glatten Innenseite. Es ist deutlich schwerer und wärmer als Standard-Fleece — gut geeignet für Innenfutter von Jacken oder als Lifestyle-Pulli, weniger für intensive Sportaktivitäten.
Pile-Fleece
Pile-Fleece ist eine frühe Form mit deutlich längerem Flor an der Außenseite. Die schwedische Marke Fjällräven hat mit dem Singi Pile seit den 1960er-Jahren eine eigene Tradition. Pile ist warm, aber luftdurchlässig und wird in Skandinavien als äußere Schicht verwendet, wenn keine Niederschläge erwartet werden.
Veredelungen
- Anti-Pilling-Veredelung: chemische oder mechanische Behandlung, die das Bündeln einzelner Faserenden zu Knötchen reduziert.
- Anti-Statik: bei trockener Winterluft kann Polyester elektrostatisch aufladen — eine Anti-Statik-Veredelung reduziert das.
- Wasserabweisende Impägnierung: DWR-Behandlung (Durable Water Repellent) auf der Außenseite, sodass Wasser perlt. PFC-freie Impägnierungen sind heute Standard bei umweltbewussten Herstellern.
- Membran-Verklebung: Polartec Wind Pro / Windbloc haben eine sehr dünne Membran zwischen zwei Fleece-Lagen, die Wind blockt.